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KI - Was zu bedenken wäre. - III

Aktualisiert: 22. Mai 2023


Die Künstliche Intelligenz – Gespenst oder hilfreicher Geist?


Zwei Buchstaben gehen um und seit einiger Zeit sorgen sie bei der schreibenden Zunft für Aufregung. Während sich die einen der KI zuwenden, betrachten andere die Künstliche Intelligenz mit Sorge. Es gibt also viele Gründe, um sich mit dem Thema etwas näher zu beschäftigen, insbesondere aus dem Blickwinkel von Autorinnen und Autoren, von Verlagen und literarischen Dienstleistern.


Dabei können wir uns getrost auf die zwei vorherigen Blogbeiträge beziehen. In diesen haben wir gelernt, dass die KI gar keine Intelligenz ist. Sie ist vielmehr ein Programm oder eine elektronische Maschine, wenn man so will. Sie ist nicht kreativ, sie kann nicht Neues schaffen, sie kann nur das machen, worauf sie trainiert wurde.


Damit stellt sich die Frage, wieso ein Tool KI genannt wird, wenn die Bezeichnung letztendlich irreführend ist. Die Antwort ist recht einfach, denn mit dem Begriff der Künstlichen Intelligenz lässt sich ein Hype auslösen. Er klingt gewaltig, spektakulär geradezu, nach einem Bewusstsein, das wir Menschen geschaffen haben. Wir wissen aber schon aus den anderen Blogbeiträgen, dass die KI kein Bewusstsein besitzt. Dennoch wird der Begriff genutzt, schon weil sich mit dem viel eher zutreffenderen Wort Algorithmus kaum ein Hype auslösen lässt.


Wie gut die Marketingstrategie funktioniert wird daran ersichtlich, dass die KI mittlerweile in alle Munde ist, ohne dass der Begriff kritisch hinterfragt wird. Dabei darf natürlich nicht vergessen werden, dass Marketing nur betrieben wird, wenn jemand glaubt, mit dem Produkt einen ordentlichen Gewinn zu erzielen.


Weiterhin haben wir in den bisherigen Beiträgen gelernt, dass die KI – wir bleiben der einfachheitshalber in unseren Blogbeiträgen bei diesem Begriff – nicht in der Lage ist, etwas vollkommen Neues zu schaffen. Sie macht das, worauf sie programmiert wurde und greift auf das Wissen zurück, welches bis 2021 im Internet zu finden war. Sie ist also keineswegs mit der menschlichen Intelligenz vergleichbar, vielmehr ist sie auf diese angewiesen.

Wie sehr sie die Hilfe der Menschen noch benötigt, zeigt das Beispiel einer geschätzten Kollegin, deren lustiger Frauenroman von der KI als Ratgeber identifiziert und einer anderen Autorin zugeschrieben wurde. Das sind natürlich Kinderkrankheiten, die uns allenfalls zum Schmunzeln anregen, aber wir dürfen davon ausgehen, dass diese schon bald ausgemerzt sein werden.


Dennoch, auch wenn über die Künstliche Intelligenz kritisch diskutiert werden darf und muss, es wird niemanden gelingen sie aufzuhalten oder gar zu verhindern. Ein Blick in die Geschichte zeigt uns, dass alles, was der Mensch bisher erforscht und entwickelt hat, von ihm auch genutzt wurde. Egal, wie gefährlich eine Entdeckung auch sein mochte, wie wir am Beispiel der Kernspaltung sehen.

Es macht also keinen Sinn, sich wie die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts zu gebärden und gegen die KI vorzugehen. Vielmehr muss die Frage beantwortet werden, wofür man die Künstliche Intelligenz einsetzt. Man wird sie im positiven, aber auch im negativen Sinne nutzen können, wie das mit jeder anderen Technologie, mit jedem Gegenstand schon immer möglich war.





Maschinensturm im 19. Jahrhundert. Wie die Maschinen wird auch der Einsatz der KI nicht aufzuhalten sein. Es stellt sich daher die Frage nach einem verantwortungsvollen Umgang.





(Dieses Bild ist gemeinfrei, auch in den Vereinigten Staaten.)


Letztendlich sind es die Autorinnen und Autoren, die Verlage und all jene, die sich mit Büchern befassen, die sich die Frage stellen müssen, ob sie auf die KI zurückgreifen wollen.

Das Zauberwort heißt Verantwortung, eine Verantwortung, die jeder für sich übernehmen sollte, denn die KI ist nicht in der Lage, dieses Wort in seinem eigentlichen Sinn zu begreifen.


ChatGPT – Ein hungriges Monster?


Wie bereits im ersten Artikel der Blogreihe angemerkt wurde, basiert die scheinbare Intelligenz der KI auf die Arbeit, die in sogenannten Klickfabriken geleistet wird. Vertraut man den Berichten, wie es in manchen dieser Fabriken zugeht, fühlt man sich an die entsetzlichen Zeiten des Frühkapitalismus erinnert. So stellte Daniel Leisegang in einem Artikel fest, dass im globalen Süden gering bezahlte Klickarbeit geleistet werden musste, bevor wir mit der KI kommunizieren können. Zu dieser Arbeit gehörte auch, verstörende Bilder von üblen Gewaltdarstellungen anzusehen und in neunstündigen Schichten bis zu 250 Textpassagen mit bis zu 1000 Wörtern zu lesen. Kurz gerechnet macht dies bis zu 250.000 Worte in neun Stunden, also bis zu 460 Worte in der Minute. Der Stundenlohn soll sich laut Recherche von Daniel Leisegang von netzpolizei.de auf sagenhafte 1,32 bis 2,00 US-Dollar belaufen haben.

Den Vertrag mit einem der beauftragten Subunternehmen haben die Erschaffer von ChatGPT mittlerweile beendet. Der Teil eines anderen Vertrages wurde auf Initiative von Auftragnehmer Samas aufgelöst.


Herauszufinden, wie es weltweit in den Klickfabriken zugeht, wäre eine Recherchearbeit, derer sich die großen Medien vielleicht einmal annehmen sollten. Es ist bis heute gängige Praxis, dass alle KI-Anbieter Subunternehmen mit der Klickarbeit beauftragen.

Noch bedenklicher wird der Lernprozess der KI, wenn die Frage aufkommt, woher die Daten stammen, mit denen z.B. ChatGPT trainiert wurde und wird.

Anfragen, woher z.B. die zum Training der Künstlichen Intelligenz notwendigen Texte stammen, hat OpenAI bisher nicht beantwortet.


Auf der Leipziger Buchmesse 2023 erklärte dazu Nina George, ihres Zeichens Präsidentin des European Writers´Council, dass Recherchearbeiten unabhängiger Personengruppen ergeben hätten, dass es sich bei den Daten u.a. um viele E-Books handelt, insbesondere von Selfpublishern. Auch das Gutenbergprojekt, die weltweit größte kostenlose deutschsprachige Volltext-Literatursammlung, soll angezapft worden sein. Selbst vor Piratenseiten, also Seiten, auf denen urheberrechtlich geschützte E-Books illegal hochgeladen und kostenfrei zum Download angeboten werden, hätte der Informationshunger der KI nicht Halt gemacht.





Wird die Künstliche Intelligenz mit Daten zweifelhafter Herkunft trainiert?






Natürlich stecken hinter diesen Machenschaften Menschen, aber die gewonnenen Informationen kommen letztlich der KI zugute und genaugenommen handelt es sich oftmals um Texte, die dem Urheberrecht unterliegen. Genau diese sollen jedoch massiv missachtet worden sein, womit das Recht auf das eigene Werk mindestens umgegangen wurde.

Durch Transparenz könnten OpenAI Klarheit schaffen, doch daran scheint das Unternehmen nicht interessiert zu sein.


An dieser Stelle kommt natürlich der Schutz des Urheberrechts ins Spiel. Doch ob eine Klage Erfolg haben könnte, ist zumindest zweifelhaft, denn die KI wird bei der Erstellungen eines Romans nie ganze Textpassage nutzen, die es einem anderen Buch entnommen hat. Vielmehr muss man sich das Training so vorstellen, dass die genutzten Texte in kleinste Teile zerstückelt werden und damit der Nachweis für eine Verletzung des Urheberrechts nur schwer gelingen wird. Anders sieht das mit von der KI verwendeten Bildern aus. Das diesbezügliche Terrain ist komplizierter, als bei zerlegten Texten und wir dürfen auf die zukünftige Entwicklung gespannt sein.


Dennoch wäre es ein ungeheuerlicher Vorgang, wenn die KI mithilfe urheberrechtlich geschützter Werke trainiert wird und auf kommerzieller Basis mit diesen arbeitet.


Die Frage lautet also, ob jemand Autoren oder Maler kennt, die das Ergebnis ihrer Arbeit der KI einfach mal so zur Verfügung gestellt haben?


Ausgerechnet in Italien, dem Land, das in den Medien meistens nicht positiv beleumundet wird, ist ChatGPT verboten worden. Hintergrund ist aber nicht das Urheberrecht, sondern der Datenschutz.


Versteckte Spiele


Nicht nur OpenAI spielt mit verdeckten Karten. Direkt vor unseren Augen scheint sich ein weiteres Drama anzubahnen.


Was unter Autorinnen und Autoren, aber auch von vielen anderen Künstlern heiß diskutiert wird, ist die Kennzeichnungspflicht, von Büchern und Grafiken, die mit einer KI erstellt wurden. Bisher gibt es diese nicht, doch die EU hat sich des Problems angenommen ... sollte man zumindest meinen, wenn man den offiziellen Verlautbarungen glaubt.


Tatsächlich berät die Europäischen Union über einen Katalog, was die Kennzeichnungspflicht betrifft, wenn die KI genutzt wurde. Geplant ist eine Verordnung, die möglichst bald in Kraft treten soll.


Quo ducit via tua? Wohin führt dein Weg? Sollte die EU künstlerische Werke, die mit der KI erstellt wurden, von der Kennzeichnungspflicht ausnehmen, wären die Folgen gravierend.


Doch zur Buchmesse in Leipzig berichtete die Präsidentin des European Writers´Council, Nina George, dass durch die Einflussnahme wichtiger Lobbyisten, ausgerechnet der künstlerische Bereich von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen werden soll. Im Klartext würde dies bedeuten, dass sich der normal schreibende Autor in Zukunft mit dem Schriftsteller messen muss, der sich von der KI wesentliche Teile seiner Arbeit abnehmen lässt.


Wohin dies führt, werden wir im nächsten Blogbeitrag etwas näher beleuchten.


Doch wie soll die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine aussehen?

Dazu werden sehr unterschiedliche Denkansätze geäußert. Die Autorin Zoë Beck meint, neue Möglichkeiten zu sehen, die durch die KI den Autoren eröffnet werden, etwa zur Überwindung von Schreibblockaden.

Jenifer Becker, Kultur- und Literaturwissenschaftlerin an der Universität Hildesheim, ist sich hingegen schon recht sicher, dass bereits heute viele Autorinnen und Autoren die KI nutzen. Damit ist aber nicht unbedingt gemeint, dass die KI den Schriftstellern alle Arbeit abnimmt. Vielmehr ginge es um eine Zusammenarbeit mit der Künstlichen Intelligenz.

Die leitende Lektorin beim Aufbau Verlag, der »Frankfurter Rundschau« gibt indessen zu, dass mit ChatGPT bereist experimentiert wird.


Stopp. Jetzt müssen wir erst einmal kurz Luft holen. Es ist bekannt, dass einige Autorinnen und Autoren bereits mit der KI arbeiten. Doch was bedeutet Zusammenarbeit und was steckt hinter den Experimenten der Verlage?


Zuerst einmal müssen Autoren, die sich von der KI eine Geschichte schreiben lassen, diese Texte noch überarbeiten, denn ein perfektes Werk kann die Künstliche Intelligenz zurzeit wohl nur schwerlich abliefern. Natürlich nehmen die Nutzer der KI auch bei der Erstellung des Plots Einfluss, doch dieser ist im Vergleich zur bisherigen Arbeitsweise der Schriftstellerinnen und Schriftsteller eher rudimentär.

Verlage können sich hingegen vorstellen, dass die KI schon bald gute Klappentexte schreibt und im Lektorat eingesetzt wird. Dies geschieht in manchen Verlagen wohl bereits heute, um eine erste Einschätzung neuer Manuskripte vorzunehmen. Wird dieses Vorgehen Schule weiter ausgebaut, werden die dafür benötigten Arbeitskräfte, auch wenn es nur freie Mitarbeiter sein sollten, bald weniger Aufträge erhalten.


Dabei fällt auf, dass die hier erwähnten Äußerungen von Autorinnen und Verlagen schon für die nähere Zukunft eher zu kurz springen. Wir werden deshalb in den folgenden Beiträgen noch einmal auf den Einsatz der KI zu sprechen kommen.


Im nächsten Blogartikel widmen wir uns dann den möglichen Auswirkungen, die mit dem Einsatz der Künstlichen Intelligenz einhergehen. Die Welt der Autorinnen und Autoren und deren Dienstleister, steht vor Veränderungen, deren Ausmaße noch gar nicht überschaubar sind.

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